Auf die Wiesen

Aber nicht zum Oktoberfest….

Sondern zum Arbeiten.
Der typische Ablauf ist folgendermaßen: Wir (das sind Rene (Angestellter), Rosi (Bufdi), Matthias (Föjler) und ich, also Marin (Föjlerin)) treffen uns um ca. 07:30 auf dem Fischereihof und bereiten erstmal unsere Stärkung vor – wir wissen ja, anstrengende, aber auch sehr unterhaltsame Arbeit kommt auf uns zu.
So packen wir unser Essen zusammen und in unseren Korb kommt Tee und der für Rene überlebenswichtige Bohnenkaffee – denn ohne den geht nichts. Nach einigem Herumgerödel sind wir so weit und werfen uns dem Korb hinterher ins Auto. Ich schreibe bewusst werfen, denn ohne Schwung ist es schwer, hinein zu kommen, denn der Multicar ist immer so voll mit unseren Sachen, dass man sich anschließend hinein quetschen muss – aber keine Sorge, genug Platz zum Atmen ist noch vorhanden.

Bild: Rene nach Gras abladen

Rene nach Gras abladen

Bild: Abladen des Mähers

Abladen des Mähers

Zuvor muss daran gedacht werden, den Hänger anzukoppeln und Mistgabeln, Rechen und evtl. einen Mäher oder Schwader aufzuladen. Der Hänger ist gleichzeitig notwendig, um das Gras von den Wiesen aufzuladen und es anschließend auf eine Kuhweide oder zur Deponie zu bringen.
Nun geht es mit Gepolter los und ich weiß schon, dass von Rene gleich kommen wird: „Mensch Mucki (das ist mein hier entstandener Spitzname), ham wa heut gar keine Musike?! Das‘ ja furchtboa!!!“ Da fällt mir meistens ein, dass ich sogar daran gedacht habe, mein Handy und meine Box mitzunehmen und kurze Zeit später schallen die 80er durchs Multicar – zumindest dann, wenn beides aufgeladen ist, was allerdings nicht immer der Fall ist.
Die Fahrt ist unterschiedlich lang, das kommt immer drauf an, wo es hin geht. Aber mit vollkommener Gewissheit kann man davon ausgehen, dass Rene zu diesem Zeitpunkt schon mindestens ein Mal das Wort „furchtbar“, das allerdings immer so wie „furchtboa“ klingt, in den Mund genommen hat. Nun könnte man natürlich denken, er sei ein alter Miesepeter, aber der Eindruck täuscht, ich kenne kaum einen Menschen, mit dem das Arbeiten so viel Spaß macht wie mit Rene. Und dank ihm nennen wir uns die „Furchtbare/Multicargang“.

Während wir laut gegen die Musik redend besprechen, was so zu tun ist, oder was uns gerade anderes so in den Sinn kommt, rauschen an uns die Felder vorbei . Bevor wir mit viel Geholper auf der Wiese zum Stehen kommen, haben wir meistens noch einen Abstecher (wie Rene zu sagen pflegt) „in den Konsum“ gemacht, um uns noch mehr oder überhaupt etwas zu Essen zu kaufen.
Dann wird erstmal Frühstückspause gemacht und zusammen an den News der Zeitung, die Rene liest, Teil genommen. Dabei erinnere ich Rene oft ans Essen, denn das vergisst er meistens über dem Lesen und oft kommt dann die Antwort „Ich hab ja keine Zeit“ – oder er isst tatsächlich etwas. Immer gerne mampft er ein von mir zugeschobenes Tofuwürstchen, das ich als Veggi meistens mithabe, und ist begeistert davon, dass ich mir meistens selbst morgens noch etwas „schönes“ koche.

Bild: Räumen einer Pflegefläche

Räumen einer Pflegefläche

Anschließend bewaffnet sich jeder von uns mit einem Arbeitsgerät und wir beginnen, das gemähte und evtl. geschwadete Gras zusammen zu harken und zu Haufen stapeln, bevor wir es schließlich aufladen. Oft sind die Wiesen so uneben und matschig, dass wir nicht mit dem Multicar zu den Haufen hinfahren können und stattdessen das Gras auf Planen laden und nach vorne ziehen, wo wir es vor dem Multicar abladen. Von da wird es auf diesen sowie auf den Hänger geladen, in denen sich das Gras schnell türmt, weshalb es immer Jemanden gibt, der das Gras platt trampeln muss. Mit kurzer Hose kann man sich ganz schön kratzige Beine holen, da versteht man dann auch den Begriff Arbeitsschutz, der eine lange Hose beinhaltet, da muss man also etwas aufpassen.

Bild: Beendung der Flächenräumung

Beendung der Flächenräumung

Das Ziehen der Planen ist die anstrengendste Arbeit und der Wunsch, einen Ochsen oder ein Pferd zu haben, wurde da hin und wieder schon mal geäußert, aber stattdessen kommen an solchen Tagen meistens noch mehr Mitarbeiter mit oder es sind sogar manchmal Freiwillige von außerhalb engagiert.
Zudem kann man zwischendurch immer wieder Pause machen und sich ausruhen und stärken – und das freundliche Miteinander ist ein entscheidender Teil, dass diese Arbeit Spaß macht. Rene lobt einen ständig, indem er immer sagt: „Mensch seid ihr schon fleißig, ihr seid ja unersetzbar, wenn wir euch nicht hätten!“ So und mit anderen lustigen Dingen, die passieren, wie dass bspw. Jemand in den Grashaufen fällt, ständig Mistgabeln gemopst werden und Rene beim Rasen mähen laut beginnt, Opern zu singen, geht der Vormittag schnell herum.
Es erfolgt eine etwas längere Mittagspause, in der wir hin und wieder Döner essen gehen oder unser Mitgebrachtes verspeisen und uns angeregt unterhalten. Da wird meistens auch besprochen, warum wir bestimmte Wiesen pflegen, der Grund dafür sind hauptsächlich bestimmte, vorm Aussterben bedrohte Pflanzen, die wiederum existentiell für einige Tiere sind, die ebenfalls geschützt werden müssen. Diese Wiesen stehen unter gesetzlichem Schutz und werden auf unterschiedliche Stellen aufgeteilt und von diesen gepflegt.

Nachdem wir uns alle gestärkt haben, geht es am Nachmittag weiter mit Arbeiten bevor wir meistens gegen 15 oder 16 Uhr zurück fahren. Erschöpft, aber zufrieden, laden wir alles wieder auf und ein und verschnüren die Dinge gut, um ja nicht von der Polizei zurechtgewiesen zu werden. Oft tauchen auf dem Fahrtweg noch die lustigsten Geschichten auf, während die Musik wieder läuft.
Wieder beim Fischereihof angekommen, packen wir unsere Sachen aus und bringen die Arbeitsgeräte an ihren Platz zurück. Nachdem wir uns tränenreich verabschiedet haben, nee, das war jetzt ein schlechter Witz, wünschen wir uns noch einen schönen Tag, meistens begleitet mit den Worten: „bis morgäääään!“.

 

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