Abfischen

Für Dienstag den 29. September ist ein besonderer Termin angesetzt. Heute soll der Litzenteich abgefischt werden. Der Litzenteich gehört zusammen mit dem Ziganteich und dem Wiesenteich zu den Teichen welche die Naturschutzstation pflegt. Sowohl im Litzenteich, als auch im Ziganteich betreibt die Naturschutzstation Fischwirtschaft. Das durfte ich bereits erfahren, da die Fische zwei Mal in der Woche gefüttert werden. Konkret bedeutete dies: zuerst zum Teich hinfahren und dann entweder mit Kahn vor Ort oder selbst mitgebrachtem Schlauchboot auf den Teich hinausschippern um anschließend mehrere Eimer der mitgebrachten Körner an markierten Stellen zu entleeren. Diesen kleinen Paddeltouren, meist mit Morgensonne, hatten immer viel Spaß und einen guten Start in den Tag bedeutet. Uns wurde erklärt, dass man nicht zu viel füttern dürfe, da das überflüssige Futter sonst am Teichgrund verfaulen und den Futterplatz verderben würde, wir hielten uns also immer an den Futterplan. Auch erklärte man uns, dass die Fischzucht so organisiert sei, dass jedes Jahr, immer im Wechsel, ein Teich abgefischt würde. Somit hat der Jungfischbesatz jeweils zwei Jahre Zeit zu wachsen. Des weiteren wird auch in regelmäßigen Abständen Wasserstand und Wassertemperatur an allen drei Teichen kontrolliert und dokumentiert. Außerdem werden die Zu- und Abflüsse überprüft.

Im Voraus zum heutigen Dienstag haben wir bereits einen großen Teil Wasser aus dem Litzenteich abgelassen, die Fische haben sich nun in der verbleibenden, immer noch relativ großen, Wasserlache gesammelt. Wir bekommen auch Hilfe von einem Fischer, der mit seiner Technik vor allem beim anschließenden Transport hilft. Alle an diesem recht kühlen Dienstagmorgen Anwesenden sind mit einer Wathose ausgerüstet. Eine Wathose ist gewissermaßen die Verbindung aus Gummistiefeln und Gummihose und ist zumindest im Idealfall bis zur Brust komplett wasserdicht. Ansonsten haben wir noch einige Kescher, ein spezielles Netz und etwas grummelige Morgenlaune dabei. Mit dem Netz sollen die Fische in der Lache weiter zusammengetrieben und anschließend mit den Keschern in den Transporttank verladen werden. Klingt für mich erstmal relativ simpel, stellt sich jedoch als nicht ganz so einfach heraus. In meiner Wathose sehe ich aus wie ein Marsmännchen, auf Besuchstour und so fühlt es sich auch etwa an. Als ich in den sehr schlammigen Teich hineingestiegen bin versinke ich erstmal bis übers Knie. Nachdem ich mit einiger Mühe mein feststeckendes Bein befreit habe, ist dafür mein anderes Bein nur umso weiter eingesunken – das fängt ja gut an. Der einzige Tipp von den Anderen: „Einfach in Bewegung bleiben“. Mit einem Bein, welches im Teichschlamm steckt – nichts leichter als das. Irgendwann habe ich mich wieder freigekämpft und mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran. Nun kann ich endlich den Anderen helfen. Das eigentliche Abfischen geht schneller als ich gedacht habe und bald sind wir wieder zurück auf dem Fischereihof mit einem großen Wassertank voller Fische.

Diese müssen noch sortiert, gezählt und gewogen werden. So lerne ich den Unterschied zwischen Hechten, Schleien, Plötzen, Rotfedern und theortisch auch Karpfen kennen. Allerdings sind keine Karpfen dabei, obwohl Jungtiere in den Teich gesetzt wurden. Es wird heftig über verschiedene Gründe für das Verschwinden der Karpfen, wie der Fischotter, Fischadler, die lange Hitzeperiode im Sommer und Raubangler, diskutiert. Die Plötzen und Rotfedern als Beifangfische, aber auch die kleineren Exemplare der anderen Arten werden als Neubesatz verwendet. Die verbleibenden Speisefische werden in das Hälterbecken am Fischereihof gesetzt. Sie sollen zum Großteil zum diesjährigen Herbstfest verkauft werden, werden jedoch erst kurz zuvor geschlachtet. Nachdem wir noch etwas aufgeräumt haben, ist das Abfischen abgeschloßen. Obwohl ich nicht wirklich Fischkenner bin, war es eine interessante Erfahrung und ich kann zumindest für den Moment die Fische etwas besser unterscheiden. Außerdem weiß ich jetzt aus eigener Erfahrung, dass so ein Teichgrund ganz schön tückisch sein kann – also Obacht.

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